Vom Festhalten und Loslassen


 

Lisa Ridzén erzählt in diesem Roman von einem Lebensabschnitt, in dem vieles fragil geworden ist. Im Fokus stehen Themen wie Selbstbestimmung, Nähe und Verlust, aber auch die Angst vor dem Altwerden, vor Krankheit und dem schleichenden Abschied vom Leben.


Hauptfigur ist der hochbetagte Bo, der seinen Alltag allein bewältigt, während seine Frau wegen ihrer Demenz nicht mehr bei ihm leben kann. Unterstützung erhält er vor allem durch den Pflegedienst. Der Kontakt zu seinem Sohn bleibt distanziert und von Sorge geprägt. Halt gibt Bo vor allem sein Hund, der für ihn weit mehr ist als nur ein Haustier. Als diese Beziehung infrage gestellt wird, gerät Bos ohnehin brüchige Welt ins Wanken.


Aus dieser Situation heraus öffnet sich der Blick zurück. Gedanken und Erinnerungen führen durch verschiedene Stationen seines Lebens und zeigen, wie sehr vergangene Entscheidungen, Beziehungen und Verluste bis in die Gegenwart nachwirken. Die Erzählweise ist ruhig und fragmentarisch, fast wie einzelne Bilder, die sich nach und nach zu einem Ganzen fügen.


„Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ ist ein warmes, sehr menschliches Buch über Vergänglichkeit und Würde. Es schmerzt an manchen Stellen, schenkt aber zugleich Trost und Hoffnung. Eine leise, eindringliche Geschichte, die lange nachhallt.


Sehr empfehlenswert! 


Der Roman ist 2026 im btb Verlag erschienen, hat 384 Seiten und wurde aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann übersetzt. 

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